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MitteilungVeröffentlicht am 29. April 2026

Stadtentwicklung: Konkrete Lösungsansätze für komplexe Probleme

Wie können Städte sozialen Zusammenhalt stärken und Integration konkret gestalten? Im Rahmen des Schweizerisch-Polnischen Städteprogramms besuchten Vertreterinnen und Vertreter aus 19 polnischen Städten die Schweiz. Sie erhielten Einblicke in lokale Projekte – von Quartierarbeit bis Berufsbildung – und diskutierten Lösungen für Herausforderungen wie Migration, demografischen Wandel und begrenzte Ressourcen.

In einem Klassenzimmer erklärt eine Lehrerin verschiedenen Personen Lehrmaterial für die sprachliche Früherziehung von Flüchtlingen.

Was können polnische Bürgermeisterinnen und Bürgermeister lernen, wenn sie sich in Freiburg über Wohngebietsfeste, Jugendklubs, Gemeinschaftsgärten oder Integrationsmassnahmen informieren?

Diese und weitere Fragen aus den Bereichen Stadtentwicklung, Umweltschutz und Duales Bildungssystem standen im Zentrum von zwei Delegationsreisen des Schweizerisch-Polnischen Städteprogramms. Gemeinsam mit dem polnischen Ministerium für Fonds und Regionalpolitik und der Vereinigung der Polnischen Städte wurden aus 119 Anträgen 19 Städte und ihre Projektvorschläge ausgewählt. Vertreterinnen und Vertreter dieser Städte besuchten die Schweiz, um Inspiration für ihre Kommunen und zukünftige Projekte zu sammeln.

Schweizer Expertise und partnerschaftlicher Ansatz

«Insbesondere kleine und mittelgrosse Städte tun sich schwer mit der komplexen Förderstruktur in Brüssel. Die Besonderheit der Zusammenarbeit mit der Schweiz liegt im bedarfsorientierten Programmansatz, der Projektförderung, technische Hilfe und Erfahrungsaustausch verbindet», erklärt Tomasz Potkański von der Vereinigung Polnischer Städte.

Insgesamt stellen das Staatssekretariat für Wirtschaft (SECO) und die DEZA bis Ende 2029 278,7 Millionen Franken für das Städteprogramm bereit. Die Mittel stammen aus dem Zweiten Schweizer Beitrag an ausgewählte EU-Mitgliedstaaten und decken 85 % der Gesamtkosten. Polen beteiligt sich mit 15 % an der Finanzierung. Diese gemeinsame Verantwortung stärkt die Umsetzung der Projekte vor Ort – insbesondere in kleineren und mittleren Städten, in denen der soziale Zusammenhalt bröckelt und die Herausforderungen des Zusammenlebens zunehmen: Junge ziehen weg, alte Menschen verlieren den Anschluss. Mangelnde Gesundheitsinfrastruktur und Freizeitmöglichkeiten für Alt und Jung sind nur die Symptome eines tiefgreifenden Strukturwandels, den das Programm durch Kooperation und Schweizer Expertise gestalten will.

Bessere Planung führt zu gesellschaftlichem Zusammenhalt

In der letzten Regionalpolitik-Studie der EU wurde festgestellt, dass Regionen und Städte eine Schlüsselrolle bei der Stärkung der sozialen Kohäsion spielen. Durch eine integrative Stadtplanung, Bildung, soziale Dienste und gemeindebasierte Initiativen können sie dazu beitragen, Ausgrenzung zu verringern und die Ursachen von Unsicherheit zu bekämpfen. Diese soziale Dimension ist von entscheidender Bedeutung, um der Polarisierung entgegenzuwirken und das gesellschaftliche Vertrauen zu stärken, insbesondere in gefährdeten oder besonders gefährdeten Gebieten. Die EU gibt allein mit dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) im Zeitraum 2021–2027 200 Milliarden Euro für nachhaltige Entwicklung aus, unter anderem mit dem Fokus auf Innovation und soziale Kohäsion.

Neben grossen, bestehenden Finanzierungsmechanismen aus der EU stellt sich die Frage, was die Schweizer Programmfinanzierungen auszeichnet. «Mit der Schweiz kann man in der Nische arbeiten und somit mehr Wirkung erzielen. Um aber zu wissen, wie wir ein komplexes Problem wie Integration angehen, brauchen wir die Schweizer Erfahrung», erklärt Potkański. Die Stärkung des sozialen Zusammenhalts und die Integration sind zentrale Herausforderungen, für die auch die 19 ausgewählten Städte innovative Lösungen suchen.

In Freiburg erfuhren die Teilnehmenden vor Ort, wie unterschiedlich Lösungsansätze zur Stärkung der sozialen Kohäsion in der Schweiz sein können: von Integrationsangeboten für Menschen mit Migrationshintergrund über die Förderung von Aktivitäten für Kinder und Jugendliche bis hin zu Seniorenkonzepten oder quartierspezifischen Projekten. Konkrete Beispiele sind Nachbarschaftsfeste, Willkommensveranstaltungen für neue Quartierbewohnende oder Gemeinschaftsgärten. «Letztendlich geht es darum, Barrieren abzubauen und gegenseitige Akzeptanz zu fördern», so Ula Stotzer, Delegierte für Kohäsion der Stadt Freiburg. Das Erlernen der Sprache sowie die Kinderbetreuung sind auch in der Schweiz Herausforderungen, die in der Caserna la Poya in Freiburg mit den polnischen Gästen diskutiert wurden.

Mehrere Erwachsene probieren in einem Spielzimmer auf Sand basierende Spiele aus.

Mehrwert durch Austausch und «Swissness»

Das Wissen, das die Schweiz mit Polen teilt, ist einer der Arbeitsmechanismen der Schweizer Programme in den EU-Mitgliedsländern: Der Mehrwert liegt in der «Swissness». So arbeiten etwa Schweizer Partnerorganisationen wie das Konsortium ENCO-urbaplan direkt mit der polnischen Seite zusammen. Oder es sind Schweizer Systeme wie die Duale Bildung oder Integrationsansätze, die international anerkannt sind. So hat die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) jüngst in einer Studie zum Stand der Integration von Zugewanderten festgestellt, dass es der Schweiz besonders gut gelinge, Zugewanderte in den Arbeitsmarkt zu integrieren.

Infografik zum Schweizerisch-Polnischen Stadtentwicklungsprogramm.

Potkański betont: «Wir müssen systemisch arbeiten und flexible Teams für komplexe Probleme in den Kommunen schaffen. Dazu gehört auch, in die eigene Ausbildung zu investieren und lokale Potenziale wie Nachbarschaften und Unternehmen besser zu nutzen.»

Kontakt

Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit DEZA
Abteilung EU-Mitgliedstaaten
Eichenweg 5
3003 Bern